MICHELAU

Letzte Ruhe im Schatten der Bäume

Pfarrer Matthias Hain gestaltete die Einweihungsfeier für das neue Baumbestattungsfeld auf dem Michelauer Friedhof.

Rund 50 Gläubige hatten sich zur Einweihung des neuen Baumbestattungsfeldes auf dem Friedhof eingefunden. Mit dieser Maßnahme wurde ein weiterer Bauabschnitt der Friedhofsrenovierung abgeschlossen. Im Schatten von vier großen Bäumen stehen damit insgesamt 80 Bestattungsflächen in Form von Urnengräbern (je 20 pro Baum) zur Verfügung.

„Mit dem heutigen Tag geht in unserer Kirchengemeinde ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung“: Mit diesen Worten eröffnete Pfarrer Matthias Hain den Einweihungsgottesdienst. Die Einstellungen zum Sterben und Tod hätten sich gewandelt. Während früher die Verstorbenen bis zum Tag der Beerdigung zu Hause aufgebahrt waren, haben Trauer und Klage heute ihren Ort an den Gräbern auf den Friedhöfen. Damit ist der Friedhof zunehmend zum Ort der Selbstfindung und der Mediation geworden.

„Ich freue mich, dass die Kirche sich sehr nachhaltig bemüht, den Friedhof

zeitgemäß zu gestalten.“

Helmut Fischer, Bürgermeister

Die Zahl der Einäscherungen hat stark zugenommen. Der geringere Flächenbedarf produziert zunehmend Leerflächen, die vom Friedhofsträger gepflegt werden müssen. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität müssen Wege umgestaltet, Ruhebereiche und Sitzmöglichkeiten geschaffen werden.

Damit begann vor zwei Jahren die Um- und Neugestaltung des Friedhofes. Vier Bauabschnitte gab es bisher. Einer davon war die Schaffung dieses Baumbestattungsfeldes. Darüber hinaus wurden im Frühjahr vorigen Jahres die Grünflächen-, Wege-, Baum- und Heckenpflege, sowie der Winterdienst an eine Firma und damit in professionelle Hände gegeben.

Bislang 129 660 Euro investiert

All dies verursacht erhebliche Kosten. Die Anlage des Baumbestattungsfeldes verschlang rund 40 000 Euro, der Wegebau im Bereich der Urnengräber belief sich auf rund 55.000 Euro. Hinzu kamen die Kosten für die Erneuerung der Wasserversorgung und des Mittelweges bis zum Pumphäuschen und die Anlage des Abschiedsplatzes in Höhe von rund 35 000 Euro. Konkret betrug die Investitionssumme 129 660 Euro. Sie lag damit um mehr als 7000 Euro niedriger als der Kostenvoranschlag in Höhe von 137 000 Euro.

Ein fünfter Bauabschnitt ist in Planung. Damit sollen der zweite Teil des Mittelweges und die restliche Wasserversorgung erneuert werden. Doch aktuell sind die Kassen leer. Es wurde vielmehr bereits ein Darlehen in Höhe von 52 500 Euro aufgenommen. Die Umsetzung des fünften Abschnitts kann daher frühestens 2018 beginnen.

Um das Baumbestattungsfeld in Höhe des Kriegerdenkmals anzulegen, wurden mit einer Eiche und einer Linde zusätzlich zu den bereits vorhandenen mächtigen Bäumen zwei große neue Bäume gepflanzt. Um diese herum sollen in konzentrischen Kreisen die Urnengräber angelegt werden.

Neue Bäume gepflanzt

Die Einzelplätze sind nicht frei wählbar, sie werden von der Friedhofsverwaltung zugewiesen. Diskussionen dürfte die Regelung hervorrufen, dass die Ablage von Blumen oder Gegenständen auf dem gesamten Baumbestattungsfeld nicht gestattet ist. Blumen und Kränze werden im Anschluss an eine Urnenbeisetzung an anderer Stelle auf dem Friedhof abgelegt.

Nicht namentlich gekennzeichnet

Wo sich das jeweilige Urnengrab befindet, wissen die Angehörigen. Die Gräber sind nicht namentlich gekennzeichnet. Auf einem Findling, der in der Nähe des Baumes steht, wird für jeden hier Beigesetzten eine Tafel aus Bronze in der Größe acht mal 16 Zentimeter angebracht, auf der Vor- und Nachname, Geburts- und Sterbetag zu lesen sind.

Der Geschäftsführer des Architekturbüro Müller in Kronach, Herbert Müller, erläuterte in seinem Grußwort die Historie des Gesamtprojekts „Neugestaltung des Michelauer Friedhofs“ aus der Sicht des ausführenden und koordinierenden Unternehmens.

Umfassend vermessen

Die Neu- und Umgestaltung erfolgte auf der Grundlage einer umfassenden Erfassung und Vermessung des Friedhofes durch Studenten der Hochschule in Coburg. Im Rahmen zahlreicher Besichtigungen anderer Friedhöfe, unter anderem in Coburg, Bamberg und Kronach, war man gewillt, aus den Erfahrungen anderer Kommunen zu lernen.

„Das Hauptproblem war immer das gleiche“, so Herbert Müller. „Die einen Friedhofsbesucher wollen einen parkähnlichen Baumbestand, in dem man die Natur und die Jahreszeiten bewusst erleben kann, die anderen wollen absolut kein Herbstlaub und deshalb keine Bäume. Sie bevorzugen eine freie schattenlose ungegliederte Fläche.“

Als Sinnbild der Vergänglichkeit

Er machte kein Hehl daraus, dass er persönlich ein Bestattungsfeld mit Bäumen einer freien Fläche den Vorzug geben würde, zumal gerade das Herbstlaub als Sinnbild der Vergänglichkeit zu einem Friedhof passt.

Seinem Dank an alle Beteiligten schloss sich auch Bürgermeister Helmut Fischer in seinem kurzen Grußwort an: „Ich freue mich, dass die Kirche sich sehr nachhaltig bemüht, den Friedhof zeitgemäß zu gestalten“, so Helmut Fischer.

Musikalisch umrahmt wurde die Einweihungsfeier von Bläsern aus Michelau und Neuensorg. Die erste Urnenbestattung findet bereits am Mittwoch statt.