LICHTENFELS

Wenn es beim Schlafen laut wird

Experten am Telefon: Über Schlafmedizin und Probleme mit dem Schnarchen und Atemaussetzern berieten (v. re.) Dr.

Wenn der Partner nachts schnarcht, ist das unangenehm. Doch schlimmer können die gesundheitlichen Folgen nächtlicher Atemaussetzer (Schlafapnoe) für die Betroffenen sein – sie leiden oft am nächsten Tag unter Müdigkeit und Konzentrationsstörungen. Langfristig können sogar schwere gesundheitliche Schäden drohen. „Schlafmedizin: Wenn es beim Schlafen laut wird – Schnarchen, Atemaussetzer und Tagesmüdigkeit“ lautete das Thema einer gemeinsamen Telefonaktion des Obermain-Tagblatts mit Spezialisten des Bezirksklinikums Obermain, Kutzenberg.

„Die Betroffenen haben

von ihrer Nacht nichts,

es sind gestresste Menschen.“

Dr. Gernot Habich, Lungenfacharzt

Fragen der Leser beantworteten dabei Dr. Saleh Al Hamoud, Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie, Schlafmedizin und medikamentöse Tumortherapie, und Dr. Gernot Habich, Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie, Allergologie und Umweltmedizin.

Abgeschlagenheit und Schwäche

Abgeschlagenheit, Schwächegefühle und depressive Verhaltensweisen beklagte eine Anruferin. Da ihr Mann nächtliche Atemaussetzer bei ihr bemerkt hatte, lag der Verdacht nahe, es könnte sich um eine Schlafapnoe handeln. Auch ihre Probleme mit Bluthochdruck sprechen für diese Vermutung. Dr. Habich rät der Anruferin, ihren Hausarzt als „Lotsen“ aufzusuchen, der sie zu einem Apnoe-Screening an einen Lungen- oder Hals-Nasen-Ohren-Facharzt überweisen kann. Wenn dessen Befund das nahelegt, könnte eine intensive Untersuchung in einem Schlaflabor (Polysomnographie) folgen, bei der alle medizinisch wichtigen Werte erfasst werden.

Therapieverfahren

Aufgrund der vorliegenden schlafmedizinischen Diagnose kommen verschiedene Therapieverfahren in Betracht, wie eine nächtliche kontinuierliche Überdruckbeatmung oder andere Beatmungsverfahren mittels Atemmaske. Hals-Nasen- oder kieferorthopädische Maßnahmen können manche Probleme des Schnarchens beheben oder ergänzend verbessern. Weiterhin sollte im Verbund mit den Hausärzten eine Optimierung der internistischen Begleiterkrankungen im interdisziplinären Dialog stattfinden, um die neue schlafmedizinische Diagnose optimal zu therapieren.

Solche und ähnliche Probleme schildern auch die übrigen Anrufer. Entweder leiden sie unter Schlafproblemen aufgrund von Schnarchen oder sie wurden bereits untersucht und haben Probleme mit der verordneten Therapie. Die Fachärzte hören zu, schildern ihre Einschätzung und verweisen an den Haus- oder Facharzt zur näheren Behandlung. „Hier finden die Patienten Gehör, während sie sonst auf einen Termin in einer Praxis warten müssten“, stellt Habich fest. Wichtig ist ihm die Vernetzung der verschiedenen ärztlichen Einrichtungen in der Region, um eine optimale Behandlung der Patienten zu ermöglichen.

„Die Betroffenen haben von ihrer Nacht nichts, es sind gestresste Menschen“, weiß Habich. Und die Zahl der Betroffenen steige offenbar aufgrund der westlichen Lebensweise (Übergewicht, Rauchen, Alkoholkonsum). Bei Männern zwischen 30 und 60 Jahren sind es vier bis sieben Prozent, bei Frauen in diesem Altern zwei bis vier Prozent. Im mittleren bis höheren Lebensalter sind gar 15 bis 19 Prozent der Männer und neun bis 15 Prozent der Frauen betroffen. Somit könne man von einer Volkskrankheit sprechen.

„Schnarchen ist meist die Vorstufe zum Schlafapnoe-Syndrom“, erklärt Dr. Al Hamoud. Daher sei es sinnvoll abzuklären, ob es dabei zu Atemaussetzern kommt. Denn die Atmung kann der Mensch tagsüber willentlich beeinflussen, doch nachts steuert das Atemzentrum im Hirnstamm den Rhythmus und die Tiefe der Atemzüge automatisch und reguliert bei Bedarf. Kommt es aufgrund von Störungen zu Atemaussetzern wird nicht nur das Hirn, sondern der gesamte Organismus belastet. Dadurch steigt das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden und die Lebenserwartung der Betroffenen sinkt.

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