MISTELFELD / TRIEB / ISLING

Gülle-Queen und schräge Vögel

Großer Auftritt für die kleinen Löschzwerge beim Mistelfelder Faschingsumzug.

Giftgrüne Glyphosat-Cocktails zum Bier schenkten flotte Bienen und Agrartechniker in martialischen Schutzanzügen aus. Ebenso ausgelassen wie anspielungsreich waren die sechs Zuggruppen, die am Faschingsdienstag in einem bunten Gaudiwurm durch Mistelfeld zogen. Mit einem Sarg voller toter Bienen, einem Bienenkorb und Transparenten erregte eine Gemeinschaft besonderes Aufsehen, die bereits im Vorjahr mit dem Thema Vogelgrippe für Furore gesorgt hatte.

„Jetzt sind unsere Bienen krank, unserm Minister Schmidt sei Dank.“
Flotte Bienen in Mistelfeld

„Bitte lasst die Bienen leben, ... damit unser Mistelfeld bleibt der schönste Ort der Welt“, prangte auf dem originellen Wagen auf dem neben dem Sarg auch ein Tank voll Pflanzenschutzmittel thronte, aus dem so mancher Zuschauer eine Dusche abbekam. „Jetzt sind unsere Bienen krank, unserm Minister Schmidt sei Dank“, stand darunter.

Schräge Vögel verscheuchen wollten die „Mistelfelder Krautsbüebl“ (Vogelscheuchen) vom Stammtisch „Die Unverbesserlichen“, während die Kicker vom TV Mistelfeld verkündeten, dass sie als „Transen“ auf der Reeperbahn kicken wollen – die Loveparade lässt grüßen. Als Bautrupp heizten die Musiker der Blasmusik den Narren gehörig ein. Einen „Stein des Anstoßes“ hatten sie mitgebracht als Anspielung auf die Sperrung der zur 90-Jahr-Feier als Parkplatz vorgesehenen Wiese. Und flotte Polizistinnen verteilten dazu Strafzettel. Fröhlich marschierten die Löschzwerge vorneweg und warfen gemeinsam mit der Mutter-Kind-Gruppe der Leuchsenzwerge Bonbons. Mächtig krachen ließ es die Schützenjugend der Soldatenkameradschaft als Cowboys, und als allerliebste Gummibärenbande meinte die Feuerwehrjugend: „Was der Zaubertrank dem Bären, das ist Wasser den Wehren“. Und weil der Faschingskehraus in der alten Schule gefeiert wurde, marschierten die Mistelfelder diese Mal in umgekehrter Richtung.

„Franken First“ in Trieb

„Franken First“ – unter diesem Motto stand der kleine, aber feine Faschingsumzug in Trieb. Der designierte bayerische Landeschef Markus Söder ließ „Freibier für meine Trieber“ ausschenken, wie auf einem der beiden Ape-Dreiräder des Radfahrvereins Concordia zu lesen stand. Während eines der beiden Fahrzeuge des Wahlkampf-Expresses als rollende Discothek diente, wurde vom anderen tatsächlich aus dem Fass eine „schwarza Brüh“ ausgeschenkt.

Dem Zug, der diesmal vom Sportheim der Fußballer nicht direkt zum Gasthaus Schardt, sondern erst durch den Ort führte, marschierten FKK-Fahnenträger Alfred Schardt und ein dreifacher Michael Jackson voraus. Eines stinkenden Problems hatte sich der Faschings-Karneval-Klub angenommen und präsentierte sogar eine Gülle-Queen namens Carolin. Derweil hatte die Freiwillige Feuerwehr ihren Motivwagen zum Thema Ortsumgehung gestaltet und schlug vor: „Wenn?s mit der Umgehung nichts wird, vielleicht ein Wasserflugplatz besser funktioniert.“

„Schrollenklopfer Helau“ in Isling

Bei der Islinger Feuerwehr qualmte und stank es. Kein Wunder: „Kaum ist das neue Auto da, schürt a jeder Feuerla“, hieß es auf dem Banner an ihrem Wagen. Die Soldatenkameraden wiederum nahmen sich selbst beziehungsweise den Abrechnungsfehler auf die Schippe, der ihnen bei ihren Mitgliedsbeiträgen unterlaufen ist: „Zum Schießen ist noch Pulver da – die Beiträge fehlen doch nur vier Jahr!“ Als freigebig erwiesen sich die Strick- und Saunadamen, die sich in Bauarbeiterwesten und Helmen über die endlos währende Baustelle bei Mönchkröttendorf ausließen.

Erdbeeren, Gelbe Rüben und Äpfel mit Wurm sammelten sich hinter dem Zaun des Obst- und Gartenbauvereins. Die Islinger Fußballer freuten sich über ihren neuen Coach und die Green-White-Kids darüber, dass es nach 40 Jahren wieder eine Jugendgruppe gibt. Stilvoll war der Besuch aus Weismain in Renaissance-Gewändern unterwegs. Allen voran zog der Wagen des Elferrats mit dem Islinger Faschingsruf „Schrollenklopfer helau“ und lauter Musik aus dem Lautsprecher vom Kohlbauerplatz durch den Ort und zurück.

„Kaum ist das neue Auto da, schürt a jeder Feuerla.“
Freiwillige Feuerwehr Isling

Der ganze Ort war auf den Beinen, als zum Kehraus nach dem Umzug Elferratspräsidentin Susanne Weberpals in die Bütt stieg und vom Wagen herunter über ihre Islinger lästerte, Anekdoten aus dem Ortsleben des vergangenen Jahres erzählte, die Einwohner aber auch lobte, so aktiv und engagiert, wie sie sind. Der Kassier der Soldatenkameraden bekam einen Abakus geschenkt, damit ihm künftig kein Rechenfehler mehr unterläuft. Für das neue Wirtshaus forderte sie eine Tiefgarage im Pfarrgarten, damit der Marktplatz nicht immer so zugeparkt ist – oder gleich eine U-Bahn-Haltestelle. Auch Ortssprecher Roland Lowig bekam sein Fett weg, aber auch ein Lob für den Riesenadventskranz an der Islinger Linde zur Dorfweihnacht.

So waren alle in der richtigen Stimmung, um in der alten Schule weiterzufeiern – mit Kinderdisco für die Kleinen und Bier und Sekt für die Großen.

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Die Islinger Strick- und Saunadamen im Baustellen-Outfit.
Die Islinger Soldatenkameraden nehmen sich selbst und die fehlerhafte Abrechnung ihrer Mitgliedsbeiträge auf die ...
Als Mistelfelder „Krautsbüebl“ verscheuchte der Stammtisch „Die Unverbesserlichen“ schräge ...
Im Auftrag von Markus Söder schenkte der RV Concordia „Freibier für meine Trieber” aus.
Auf ein stinkendes Problem wies der FKK mit seiner Gülle-Queen hin.
Auch der grüne Shrek trank die „schwarza Brüh”.
Seine eigene Gießkanne hatte der kleine Gartenzwerg in Isling dabei.
Originell: Glyphosat-Cocktails schenkten flotte Bienen und grimmige Agartechniker in Mistelfeld aus.