LICHTENFELS

Verwunderung über die Fällaktion

Deutliche Zeichen von Fäulnis weist der Stumpf dieser Linde direkt am Parkplatz auf.

Die Fällung von sieben alten Linden am Bergschloss hat bei Spaziergängern und Anwohnern für Unverständnis gesorgt. Nur noch Stümpfe und Sägespäne sind auf der Grünfläche zwischen dem Parkplatz und dem Haus der kirchlichen Dienste zu sehen. Die katholische Kirchenstiftung der Pfarrei „Unsere liebe Frau“ habe die Fällung beschlossen, weil die Bäume krank gewesen seien und Passanten hätten gefährden können, teilte Stadtpfarrer Roland Neher auf Anfrage dazu mit.

Eine kleine Lichtung ist durch die Fällung entlang des Fußwegs zum Haus der kirchlichen Dienste entstanden. Die verbliebenen Linden auf der benachbarten Grünfläche zeigen, wie groß die Bäume waren. Während zwei der Baumstümpfe deutliche Fäulnisspuren aufweisen, sind bei drei anderen nur leichte Schäden am Rand zu erkennen. Bei zwei der Strünke erscheint das Holz sogar makelos hell.

„Die Stämme waren innerlich so stark verfault, dass eine Sanierung nicht mehr in Frage kam.“
Roland Neher, Stadtpfarrer

„Die Stämme waren innerlich so stark verfault, dass eine Sanierung nicht mehr in Frage kam“, erklärte der Pfarrer. Den Ausschlag hätten herabstürzende Äste gegeben, die Autos auf dem Parkplatz beschädigten. Da die Kirche das marode Bergschloss in absehbarer Zeit abbrechen wolle, um Platz für einen Neubau zu schaffen, hätten die Bäume ohnehin nur noch eine begrenzte Zeit stehen bleiben können. Spätestens bei den Bauarbeiten hätte man sie fällen müssen. Nach dem Bau sei die Pflanzung neuer Bäume vorgesehen.

Keine Genehmigung eingeholt

Die Untere Naturschutzbehörde wurde vor der Fällung nicht informiert, wie Pressesprecher Andreas Grosch vom Landratsamt mitteilte. Aufgrund der Lage innerhalb des geschützten Landschaftsteiles „Bergschloss“ wäre für die Fällung eine Genehmigung erforderlich gewesen. „Über das weitere Vorgehen ist seitens des Landratsamts noch nicht abschließend entschieden“, erklärte er.

„Das Bergschloss soll sobald wie möglich weg, einen Zeitplan gibt es aber noch nicht“, erklärte Neher. Zahlreiche Projekte seien erwogen und auch Gespräche mit möglichen Investoren geführt worden, doch bisher habe sich kein geeigneter Interessent gefunden. Denn selbst bauen möchte die Kirche nicht, weil kein Bedarf an weiteren Gebäuden bestehe. „Wir brauchen ein Konzept und einen Finanzier“, vorher können wir nichts unternehmen“, betont Neher. Voraussetzung sei, dass sich das Gebäude gut ins Stadtbild einfüge.

Probleme mit dem Denkmalschutz erwartet er auf dem ehemaligen Gelände der Meranier-Burg nicht. Reste des mittelalterlichen Bauwerks seien nicht mehr vorhanden und ein neues Gebäude würde auf dem gleichen Fundament wie das bestehende errichtet werden. Die Rodung der Stümpfe sei kein wesentlicher Eingriff.

Bodendenkmal

Die frühere Burgstelle ist als Bodendenkmal „Mittelalterlicher Burgstall“ vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege erfasst. 1866 wurde an Stelle der früheren Burg das sogenannte Bergschloss erbaut, ein Ausflugsziel, das zwischen 1960 und 1970 umgebaut wurde. In dem maroden Bergschloss-Gebäude, das bis 2015 als Asylbewerberheim genutzt worden war, hatte auch die Zimmerstutzen-Gesellschaft ihr Domizil. Daneben stehen das Haus der kirchlichen Dienste und ein Fernsehturm.

Fällaktion: Nur die Stümpfe sind von sieben großen Linden am Fußweg und Parkplatz des Lichtenfelser Bergschlosses ...