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Sumpfstorchschnabel und Prachtlibellen

Die vielfältigen Lebensräume des oberen Schneybachtals, wie etwa das Großseggenried, inspizierten Naturliebhaber ...

Abwechslungsreiche Feuchtgebiete, in denen der Gesang des Pirols und das Schwirren des Eisvogels ohne jegliche Beeinträchtigungen durch Straßenlärm zu vernehmen sind und zahlreiche Schmetterlings- und Libellenarten ein Zuhause haben, kann man im oberen Schneybachtal erleben.

Der Bund Naturschutz, Kreisgruppe Lichtenfels, besichtigte unter der Leitung des Diplombiologen Gerhard Hübner ein über fünf Hektar umfassendes Areal, das durch ein Großseggenried in der Talmitte, Hochstaudenflur und Auwaldstrukturen, hauptsächlich mit Erlen und Weiden am Rande gekennzeichnet ist. Hier habe sich aufgrund der Dynamik der Natur in Jahrhunderten durch regelmäßige Überschwemmungen, Schlämmstoffeintrag und relativ wenig menschliche Eingriffe ein facettenreiches Flora-Fauna-Habitat entwickelt, wie es im Landkreis Lichtenfels in dieser Form kaum noch anzutreffen sei. Der BN habe große Teile dieser naturschutzfachlich wertvollen Areale erworben. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt bedankte sich bei den zum Teil anwesenden Spendern, ohne deren Mithilfe der Ankauf nicht möglich gewesen wäre.

Ochsenauge und den Dickkopffalter

Im Umfeld eines Tümpels, wo der seltene Sumpfstorchschnabel wächst, und auch blauflügelige Prachtlibellen auf Beutesuche sind, erklärte Gerhard Hübner einige Schmetterlingsarten, wie das Ochsenauge und den Dickkopffalter. Am nördlichen Rand des Schneybachtals fand man in Schlehdornhecken den Pflaumenzipfelfalter, eine Falterart, die sich auf solche und ähnliche Lebensräume spezialisiert habe. Beim Umrunden des Großseggenrieds mit Schilfgras, Rohrglanzgras, Simsen, Flatterbinsen, Springkraut und Mädesüß fing Gerhard Hübner mit dem Schmetterlingsnetz einen weiteren Spezialisten dieses Lebensraumtyps ein: den Mädesüß-Perlmuttfalter, den er nach Begutachtung selbstverständlich umgehend wieder frei ließ.

Tierische Landschaftsgestalter

Das Wasser des Schneybachs teilt sich ab und an in zwei oder drei Bachläufe auf, was einer Biberfamilie natürlich sehr zugute kam. Deren riesige Biberburg liegt unter krautigem Bewuchs gut versteckt im Auwald. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt meinte: „Die Biber sind wahre Architekten der Landschaftsgestaltung, erhöhen die Artenvielfalt und schaffen auf natürliche Weise Retentionsräume für das Hochwasser. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich niemand durch die kleinen Wasserbauer gestört fühlt.“ Exkursionsleiter Hübner erklärte auch die verschiedenen Naturräume entlang der dammartigen Grundstücksgrenze auf dem Rückweg, wie etwa den mit Kiefern und Fichten bewaldeten Steilhang am Rande des Bachtals mit seinen Moosen und Farnen. Besonders markant zeige sich hier der Übergang von Trockenheit liebender Vegetation zu einer ausgesprochen üppigen Krautvegetation des Bachufers. Aufgrund der anfallenden Sedimente seien diese Auenwälder sehr fruchtbar und wiesen deshalb auch in den Anlandungsbereichen große Brennnesselbestände auf. Abgestorbene Bäume sollten unbedingt stehen bleiben, da in diesen Höhlen in mehreren Stockwerken wahre Baumbiotope entstehen, auf die viele Vogelarten, Fledermäuse und andere Kleintiere angewiesen seien. Davon konnten sich die Naturfreunde vor Ort überzeugen.

Die Exkursionsteilnehmer waren trotz des teilweise unwegsamen Geländes nach zweieinhalb Stunden von der lieblichen Auenlandschaft und den naturschutzfachlichen Besonderheiten sehr angetan und bedankten sich mit einem Applaus bei Diplombiologen Gerhard Hübner für die vielen Informationen.