LICHTENFELS

80 Prozent der bayerischen Winderäder im Norden

Rund 80 Prozent aller bayerischen Windkraftanlagen stehen in Nordbayern. Dies geht aus der Antwort der Bayerischen Staatsregierung auf eine Schriftliche Anfrage der oberfränkischen SPD-Landtagsabgeordneten Susann Biedefeld hervor. Von den 987 Windkraftanlagen, die Ende 2016 in Bayern in Betrieb standen, standen allein 797 in den nordbayerischen Regierungsbezirken. Spitzenreiter ist Unterfranken mit 237 Anlagen, gefolgt von Oberfranken (230 Anlagen), Mittelfranken (210 Anlagen) und der Oberpfalz (120 Anlagen). In den südbayerischen Regierungsbezirken standen Ende 2016 im Vergleich insgesamt nur 190 Anlagen. Somit werden alleine in Oberfranken mehr Windräder betrieben als in ganz Südbayern (Oberbayern: 83 Anlagen, Schwaben: 93 Anlagen, Niederbayern: 14 Anlagen) zusammen. Schlusslicht ist Niederbayern mit lediglich 14 Windkraftanlagen (Ende 2016). Bei der installierten Leistung der Windkraftanlagen sieht es nicht viel anders aus: auch hier trägt Nordbayern über 82 Prozent zur installierten Windkraftleistung in Bayern bei.

„Spitzenreiter Oberfranken“

„Spitzenreiter bei den 2016 neu in Betrieb genommen Windkraftanlagen ist Oberfranken mit 33 Windrädern. Der Norden Bayerns trägt damit einen überdurchschnittlich hohen Beitrag zum Gelingen der Energiewende bei. Besonders ärgerlich dabei ist, dass gerade die nordbayerischen Regionen, die alles Mögliche tun, um eine dezentrale Energiewende umzusetzen, besonders stark vom Neubau der Stromleitungen betroffen sind“, heißt es in der Pressemitteilung der Abgeordneten. „Gleichwertige Lebensbedingungen, wie sie in der bayerischen Verfassung verankert sind, sehen anders aus“, kritisiert Susann Biedefeld.

Bei der Anzahl der genehmigten, aber noch nicht errichteten Windkraftanlagen lassen sich schon deutlich die Auswirkungen der 10-H-Regelung erkennen. Hier war in den vergangenen Monaten ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Bayernweit waren im März 136 Windkraftanlagen genehmigt, im September 2015 waren es hingegen noch 257. Mit einem weiteren Rückgang sei zu rechnen, da es durch die 10-H-Regelung nur noch sehr begrenzt möglich sein wird, neue Windkraftanlagen zu bauen.

Eine weitere Unsicherheit, die derzeit bestehe, betreffe die Altanlagen, die vor 20 Jahren errichtet wurden. So falle für diese nicht nur die EEG-Förderung weg, sondern auch die Betriebserlaubnis läuft demnächst aus. Für eine erneute Betriebsgenehmigung müssten teure Gutachten erstellt werden. Zudem sei unklar, ob die Altanlagen unter den Bestandsschutz fallen oder sie die neuen Auflagen der 10-H-Regelung erfüllen müssen.

Droht Stilllegung?

„Dies würde eine Vielzahl von Windkraftanlagen und damit auch den weiteren Fortschritt der Energiewende in Gefahr bringen. Droht nun vielen alten Windkraftanlagen die Stilllegung oder sogar der Abriss? Was kommt auf die Betreiber zu? Welche Auflagen müssen Sie erfüllen? Um diese Fragen zu klären, werde ich mich in den nächsten Tagen mit einer Anfrage an die Staatsregierung wenden und eine Stellungnahme einfordern“, betont die oberfränkische SPD-Landtagsabgeordnete Susann Biedefeld.