Einseitige Sichtweise bemängelt

Flechtskulpturen am Güterbahnhof: Lichtenfels und das Flechthandwerk gehören zusammen. FOTO: Markus Drossel

Lichtenfels Lichtenfels und das Handwerk, das der Stadt seinen Stempel aufgeprägt hat, müssen an einem Strang ziehen. Rathauschef Andreas Hügerich geht von seiner grundsätzlichen Devise auch bei der traditionsreichen Verbindung der Stadt mit dem Flechthandwerk nicht ab. Einige Passagen aus dem kürzlich in unserer Zeitung veröffentlichten Interview mit dem Vorsitzenden der Bundesinnung für das deutsche Flechthandwerk, Siegfried Katz, kann der Bürgermeister deshalb nicht verstehen. Dazu äußert er sich ebenfalls im OT.

„Die Auszeichnung

Immaterielles Kulturerbe erfolgt für eine Kulturform – in diesem Fall das Flechthandwerk – nicht für eine Organisation.“

Andreas Hügerich, Vorsitzender Zentrum für europäische Flechtkultur
Obermain-Tagblatt: Wie beurteilen Sie das Interview mit Herrn Katz anlässlich der Auszeichnung Immaterielles Kulturerbe insgesamt?

Hügerich: Grundsätzlich freue ich mich natürlich sehr, dass das Flechthandwerk im bundesweiten Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe aufgenommen wurde. Andererseits wurde hier ohne die Meinung der Stadt Lichtenfels und des hier ansässigen Vereins Zentrum Europäische Flechtkultur (ZEF) nur die Haltung des Bundesinnungsmeisters Katz abgedruckt. Für eine Meinungsbildung sehe ich dies deshalb sehr kritisch.

Sie werden in dem Interview namentlich genannt. Ebenso das ZEF. Wie beurteilen Sie beziehungsweise das ZEF die Aussage von Herrn Katz, das Handwerk werde vom ZEF nicht auf Augenhöhe behandelt und das ZEF sei ablehnend gegenüber der Innung?

Hügerich: Als Bürgermeister der Stadt Lichtenfels und Vorsitzender des ZEF ist mir ein gutes konstruktives Miteinander sehr wichtig. Dies funktioniert mit anderen Institutionen sehr gut. So haben wir mit der Landesinnung Bayern, dem Verein Flechtwerk e.V., dem Innovationszentrum oder unserer Fachschule einen sehr guten Kontakt und konnten z.B. Ausstellungen auf dem Korbmarkt gemeinsam initiieren. Der Geschäftsführer des ZEF, Herrn Manfred Rauh und ich haben dem Bundesinnungsmeister Katz auch des öfteren eine gute Zusammenarbeit angeboten.

Welche Ausgrenzungen und Ausnutzungen soll es gegeben haben?

Hügerich: Dies konnte mir vom Bundesinnungsmeister leider nicht schlüssig dargelegt werden. Seine getroffene einfache Behauptung genügt meines Erachtens an dieser Stelle nicht.

„Unsere Aufgabe ist, das Flechthandwerk zu fördern. Also erwarten wir auch, dass Fördermittel, die auf der Grundlage unseres Handwerks basieren, gemeinsam genutzt und überregional eingesetzt werden.“ Diese Aussage von Herrn Katz impliziert, dass das Handwerk ihm zustehende Fördermittel nicht erhält. Wie beurteilen Sie diese Aussage?

Hügerich: Die Stadt Lichtenfels und das ZEF versuchen bei jeder Maßnahme, die Möglichkeit einer Förderung auszuloten und in Anspruch zu nehmen. Gleiches gilt meiner Meinung nach auch für die Bundesinnung. Sollte die Bundesinnung Aktionen und Ausstellungen planen und finanzieren, obliegt es auch der Bundesinnung, sich um etwaige Förderungen zu bemühen. Eine Unterstützung für die jeweiligen Verfahren wäre durch das ZEF natürlich möglich.

Ist es wahr, dass die Auszeichnung Immaterielles Kulturerbe nur vom Handwerk benutzt und damit geworben werden darf, wie Herr Katz sagt?

Hügerich: Dies trifft so überhaupt nicht zu. Hier haben wir auch eine klare Antwort von der Deutschen UNESCO-Kommission e.V. erhalten. In Worten – rein sachlich – darf jede/r über die Würdigung/Auszeichnung/Eintragung berichten. Die Auszeichnung Immaterielles Kulturerbe erfolgt für eine Kulturform – in diesem Fall das Flechthandwerk – nicht für eine Organisation. Die Trägergruppe kann (und ist meist) größer als der Ansprechpartner für den Eintrag im Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Prinzipiell ist anzustreben, dass die gesamte Trägergruppe einer Kulturform von den Vorteilen, die die Eintragung hat oder haben kann, profitiert. Verantwortung für das Immaterielle Kulturerbe haben also alle Mitglieder der Trägerschaft, die sich selbst so definieren. Es gibt dazu Regeln der Unesco, wie sie im so genannten Logonutzungsleitfaden verankert sind.

Wird die Bundesinnung beim diesjährigen Korbmarkt wie gewohnt einer der Veranstalter sein und sehen Sie die Rolle des Handwerks beim Korbmarkt?

Hügerich: Veranstalter des Korbmarktes war und ist die Stadt Lichtenfels. Wie jedes Jahr arbeiten wir mit unseren Partnern der Landesinnung, Stadtmarketing, ZEF sehr gut am Korbmarkt 2017. Die Bundesinnung war ebenfalls Mitglied des Komitees. Hat aber aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen die Zusammenarbeit beendet.

Teilen Sie die Auffassung des Bundesinnungsmeisters, der Korbmarkt sei von Beginn an von der Bundesinnung aufgebaut worden und ehrenamtlich aus der Krise geführt worden?

Hügerich: Der Korbmarkt wurde von unserer Aktionsgemeinschaft Treffpunkt und der Stadt Lichtenfels ins Leben gerufen. Aber darum geht es doch nicht. Wichtig ist, wie stellen wir den Korbmarkt gemeinsam mit den vielen Flechterinnen und Flechtern für die Zukunft auf. Wir sind Austragungsort eines der größten europäischen internationalen Flechtkulturfestivals. Darauf sind wir stolz. Aber wir müssen auch hier die Weichen für die Zukunft stellen und den Besuchern ein attraktives Festival bieten. Dies schaffen wir auch nur gemeinsam.

„Der Korbmarkt wurde von der Aktionsgemeinschaft Treffpunkt und der Stadt Lichtenfels ins Leben gerufen.“
Andreas Hügerich
Etliche Aussagen von Herrn Katz klingen so, als ob zwischen ZEF, Stadt einerseits und der Bundesinnung andererseits annähernd Funkstille herrscht und es unüberbrückbare Differenzen gibt. Teilen Sie diese Ansicht?

Hügerich: Wie bereits gesagt, von der Seite der Stadt sowie des Vereins ZEF bestand und besteht der Wille zu einer konstruktiven Zusammenarbeit.

Die Differenzen zwischen Bundesinnung und verschiedenen Akteuren am Obermain sind nun schon jahrelang zu beobachten. Das OT hat häufig darüber berichtet. Wie kann es Ihrer Meinung nach gelingen, alle Akteure im Sinne des Flechthandwerks und seiner Bedeutung für die Stadt Lichtenfels zufriedenzustellen?

Hügerich: Hier kann ich nur auf die sehr gute Zusammenarbeit mit der Landesinnung Bayern, dem Verein Flechtwerk e.V., dem Verein ZEF, Innovationszentrum, Fachschule sowie unseren Flechterinnen und Flechtern hinweisen. Hier herrscht ein gutes kollegiales Klima und ein konstruktives Miteinander.

Das Verzeichnis immaterielles Kulturerbe und sein Logo

Deutschland ist 2013 dem UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes beigetreten. Damit verpflichteten sich die staatlichen Stellen, ein Bundesweites Verzeichnis des in Deutschland gelebten Kulturerbes zu erstellen. Um dieses Verzeichnis und seine Einträge öffentlich sichtbar zu machen, wurde ein neues Logo geschaffen. Hierfür hat die Deutsche UNESCO-Kommission 2013 einen Entwurf des Grafikers Ercan Tuna aus München ausgewählt. Es steht für das Motto der Konvention in Deutschland: "Wissen. Können. Weitergeben."

Die Aufnahme in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes ist damit eine öffentlich sichtbare Anerkennung der kulturellen Ausdrucksform und ihrer Träger. Die Aufmerksamkeit kann dazu genutzt werden, die Lebendigkeit der Kulturformen zu erhalten. Mit der Aufnahme ist keinerlei finanzielle Unterstützung verbunden. Die Träger der kulturellen Ausdrucksformen können jedoch das eigens geschaffene Logo für ihre nicht-kommerziellen Aktivitäten nutzen. Nur die Deutsche Unesco-Kommission kann die Nutzung des Logos autorisieren. Diese ist an die Bedingung geknüpft, dass in jedem Fall die Beziehung des Eintrags zum Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes unmissverständlich deutlich gemacht wird. Quelle: Deutsche Unesco-Kommission

So sieht es aus, das Logo, mit dem das Immaterielle Kulturerbe des Flechthandwerks beworben werden kann.