LICHTENFELS

Neue Ärzte braucht das Land

Eine Diskussionsrunde schloss die Veranstaltung ab: (v. li.): Professor Dr.

Neue Ärzte braucht Oberfranken. Das stellten Politiker und Klinikleiter bei einer Informationsveranstaltung des CSU-Bezirksverbandes am vergangenen Freitag im Helmut-G. Walter-Klinikum in Lichtenfels fest. Die medizinische Ausbildung stand im Vordergrund. Einig waren sich Gesundheitsministerin Dr. Melanie Huml (CSU) und Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU), dass nicht nur in den Kliniken gut ausgebildetes Personal zur Verfügung stehen müsse, sondern auch Haus- und Fachärzte auf dem Land. Bezirksvorsitzender Hans-Peter Friedrich unterstrich, dass sich die CSU in Oberfranken für die Stärkung der ärztlichen Versorgung und die Ausweitung der medizinischen Ausbildung einsetze.

In der Region gebe es sehr verschiedene Initiativen, junge Ärzte und sogar eine medizinische Ausbildung in die Region zu bringen, so der Bezirksvorsitzende. Landrat Christian Meißner und Professor Dr. Johannes Brachmann, Kardiologe am Klinikum Coburg, stellten die „Medical School Regiomed“ vor. Das Studium der Humanmedizin umfasse insgesamt sechs Jahre. Der präklinische Teil des Studiums vom ersten bis dritten Jahr werde an der School of Medicine der Universität Split absolviert und erfolge in englischer Sprache, erklärte Dr. Brachmann.

Länderübergreifende Ausbildung

Im vierten Studienjahr kehrten die Studenten nach Deutschland zurück und durchliefen den klinischen Teil des Studiums an der „Medical School Regiomed“ ab 2019 im neuen Klinikum Lichtenfels. Während des gesamten Studiums seien die Studenten an der Universität Split immatrikuliert und schlössen das Studium mit dem kroatischen Abschluss, der von der Universität Split verliehen wird, ab. Dieser Befähigungsnachweis oder Doktortitel sei international gültig.

Landrat Meißner hob hervor, dass sich die „Medical School Regiomed“ positiv auf die regionale Entwicklung auswirke. Sie stärke die Region als Standort der Bildung und Gesundheitsforschung, sie vermindere die Abwanderung junger Menschen bei Studienbeginn an andere Hochschulen und gewinne ärztliche Nachwuchskräfte für die Region. „Der Bedarf an qualifizierten Nachwuchskräften kann mit bisherigen Mitteln nicht gestillt werden – neue Weg müssen gegangen werden, um den ,Brain drain‘ aufzuhalten“, war das Fazit des Vortrags.

Emmi Zeulner brach eine Lanze für die „Landarztquote“, um so die medizinische Versorgung durch Hausärzte auch im ländlichen Bereich zu sichern. Bis zu fünf Prozent aller Medizinstudienplätze sollen in diesem Sinne künftig für Studierende vorgehalten werden, die sich verpflichten, später als Hausarzt in Regionen zu arbeiten, die bereits unterversorgt sind oder von Unterversorgung bedroht sind. Zeulner forderte die Deckelung der Patientenanzahl aufzuheben und wünschte sich eine Bedarfsprognose mit festen Zahlen.

„Nach Köpfen haben wir durchaus genug Ärzte in Bayern. Wir stellen aber fest, dass sich diese Ärzte nicht immer dort befinden, wo die Patienten sie benötigen“, sagte Gesundheitsministerin Huml. Auch gebe es noch nicht genug Allgemeinmediziner - und so sei eine flächendeckende und bürgernahe gute ärztliche Versorgung nicht zu machen. Sie befürwortete das praxisnahe länderübergreifende Medizinstudium.

Einen Medizin-Studienabschluss „Made in Kulmbach“ – das wünscht sich die Stadt und dafür hat sich Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) bei der Veranstaltung in Lichtenfels erneut stark gemacht. Kulmbach möchte mit der Karl-Landsteiner-Universität im österreichischen Krems ein gemeinsames Medizin-Campus ins Leben rufen, sagte Schramm. Er habe kürzlich einen Brief mit einem Konzept an Ministerpräsident Seehofer gesendet. Der komme mit dem bayerischen Kabinett am kommenden Dienstag nach Kulmbach. Das Ziel, sei bis 2020 einen Uni-Standort in Kulmbach aufzubauen, möglicherweise in den Räumen der Alten Spinnerei und in Zusammenarbeit mit dem Kulmbacher Klinikum.

Ärzte mit Migrationshintergrund

Gudrun Brendel-Fischer, Landtagsabgeordnete im Stimmkreis Bayreuth und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CSU-Landtagsfraktion, stellte fest, dass immer mehr Ärzte einen Migrationshintergrund haben. Das länderübergreifende Medizinstudium sei sinnvoll und nachhaltig, sagte sie und rege virtuelle oder digitale Vorlesungen an, die die Kosten des Studiums senken könnten. Im weiteren Verlauf ging es um Förderung junger Mediziner mit Stipendien oder mit billigen Krediten, wenn sie sich in Oberfranken eine Praxis einrichten und garantiert einige Jahren in der Region praktizieren. Auch eine Heirat könnte eine Medizinstudentin oder einen -studenten an die Region binden, war Emmi Zeulner überzeugt.