EBENSFELD

Teuflisches Tollhaus

Skandal in Dittersbrunn: Wenn die Gemeinde die Straßenlaternen ausknipst, dann wird eben Rotlicht angeknipst.

Ganz vorne fuhr der Antichrist, mit einem diabolischen Grinsen im Gesicht. Getreu dem Sessionsmotto „Himmel & Hölle“ gab es beim großen Faschingsumzug so manchen Engel, aber auch so manchen Beelzebub zu bestaunen. Gefühlt waren es in diesem Jahr mehr Wagen als jemals zuvor, dafür war die Zahl der Fußgruppen merklich geschrumpft. Insgesamt waren es 24 Gruppen, die die Ebensfelder Straßen am Faschingsdienstag in ein Tollhaus verwandelten.

Und die konnten sich über mangelnde Zuschauer wahrlich nicht beschweren. Es mögen Tausende gewesen sein, die mitfeiern wollten. Vielleicht lag das ja daran, dass „Petrus“ (Bürgermeister Bernhard Storath) höchstpersönlich am „Gaudiwurm“ teilnahm und für erstklassiges Wetter sorgte. Kräftig gefeiert wurde auf allen Wagen, zu lautstarker Partymusik, so dass die Bordwände wackelten. Einzig die Gendarme und Ganoven der Musikvereinigung Ebensfeld warteten mit handgemachter Musik auf. Einige Wagen waren von bissigen Sprüchen geziert. Die Feuerwehr Dittersbrunn-Sträublingshof beispielsweise machte sich über die über Wochen ausgefallene Straßenbeleuchtung lustig: „Bei uns is dunkel, unsra Kinner grieng a Funzel. In der Gema brennt's Licht, drum mach mer o a rot's Licht.“ Der zugehörige Stangentanz der Narren kam bei den Zuschauern bestens an. „DÖlympia“ nahm die Dopingdiskussion aufs Korn, die Wiesener karikierten die maroden Gerätschaften der Bundeswehr – ja, und auch die „schwarzen Halunken“ und andere Vertreter der hohen Politik bekamen ihr Fett weg. Die Kicker des TSV Ebensfeld hatten sich „Ronaldo“, „Pep“ und andere Fußballmillionäre eingeladen, um ihnen dann mitzuteilen, dass man sie hier nicht gebrauchen könne. Den Neudorfer wiederum ist der Klimawandel egal: Sollte der Meeresspiegel steigen, der Ort hoch auf dem Bergrücken wäre trotzdem vorerst nicht gefährdet. Apropos Wasser: Sowohl aus Zapfendorf als auch aus Bad Staffelstein hatten Narrenboote den Ebensfelder „Hafen“ angesteuert, natürlich mit ganz viel Bonbons, Brezen und diversen Kaltgetränken an Bord.

Moderiert wurde das närrische Treiben in bewährter Manier an der Hauptstraße/Ecke Kirchgasse von Peter „Kohle“ Zapf, der die tausenden von Narren mit Informationen rund um die Wagenbauer und Fußgruppen „fütterte“.

Weitere Fotos vom Faschingsumzug gibt es als Bildergalerie unter www.obermain.de

Süßes zum Vernaschen: Die Damen des TSV Ebensfeld waren glänzend aufgelegt.
Mit dem Hut erhaschte der kleine Clown so manchen Bonbon.
Die Tanzgarden des Staffelsteiner Karnevals-Klubs bekamen in Ebensfeld viel Applaus.
Piraten ahoi: Die Zapfendorfer Musiker auf Kaperfahrt in Ebensfelder Gewässern.
FJS lebt – und führt die „schwarzen Halunken“ an.
Er war‘s: „Petrus“ (Bernhard Storath) hatte für bestes Wetter gesorgt.
Volle Kraft voraus: Das Narrenschiff steuert durch Ebensfeld.
Jüngste Teilnehmerin: die kleine Hannah mit ihren neun Monaten.