BAD STAFFELSTEIN

Staffelstein im Fokus

Interesse an der Ausstellung zeigten John L. Whiters II und seine Frau Maryruth Coleman.

Es war ein Jahr nach dem Zweiten Weltkrieg. Die kämpfenden Truppen ersetzten jetzt Besatzer. In Staffelstein wurde die Kommandantur im Gasthof „Grüner Baum“ eingerichtet. Es herrschten Hunger und Not, rationierte Nahrungsmittel gab es nur auf Marken. Luxusgüter wie Zigaretten oder Bohnenkaffee wurden nur auf dem Schwarzmarkt gehandelt.

Im Sommer 1946 klopften vier Franziskusschwestern aus Vierzehnheiligen an die Tür des Standortkommandanten. Es öffnete der 2. Leutnant John Whiters und fragte nach dem Begehr der Schwestern. „Wir möchten unserer Generaloberin Cäcilia eine Freude machen und bitten um ein Tütchen Bohnenkaffee“, sagten sie bescheiden. Whiters, der für Personalangelegenheiten zuständig war, schleppte einen Zehn-Pfund-Sack besten Bohnenkaffee an, packte Zucker und Dosenmilch dazu und fuhr die Ladung samt Schwestern mit dem Jeep auf den heiligen Berg. Ein paar Tage später wurde ein Päckchen für den 28-jährigen Leutnant abgegeben, darin waren Hummelfiguren, die heute im Haus der Whiters in einem Dorf bei Washington den Grundstock einer großen Sammlung bilden.

„Ich war von der Helligkeit und leichten Architektur überrascht.“
John L. Whiters II über Vierzehnheiligen

Für Frieden und Humanität

Der Sohn des Wohltäters, John II, emeritierter Botschafter und ehemaliges Mitglied des amerikanischen diplomatischen Korps, schreibt derzeit ein Buch über die Zeit nach dem Krieg und über seinen Vater. Am vergangenen Donnerstag war er zum dritten Mal in Bad Staffelstein. Kurzfristig hatte er sich mit seiner Frau Maryruth Coleman entschlossen, nach Deutschland zu reisen. Grund war auch die Ausstellung im Stadtmuseum über den Nationalsozialismus und die Nachkriegsjahre. „Die Kapitel 7 und 8, insgesamt 150 Seiten, sind Staffelstein gewidmet“, sagte er dem Obermain Tagblatt. Er schreibe das Buch für Frieden und Humanität.

In Bad Staffelstein findet Dr. John L. Whiters II, der in chinesischer Geschichte promoviert hat, authentische Quellen und immer wieder neue Erkenntnisse. Eine große Hilfe war ihm Museumsleiterin Adelheid Waschka, die ihn zu den Standorten der historischen Stätten führte. In der Ausstellung im Museum erläuterte sie dem amerikanischen Gast die Tätigkeiten des Reichsarbeitsdienstes und beschrieb die zahlreichen Fotos, die sie für die Ausstellung zusammengetragen hatte. Einige davon stammen auch von Whiters.

„Peewee“ und „Salomon“

In Amerika bekannt wurde sein Vater durch einen Artikel im Wall Street Journal im Jahre 2003. Darin wurde beschrieben wie der damalige U.S.-Offizier zwei jüdischen Jungen, die aus dem Konzentrationslager Dachau 1945 geflüchtet waren, half. Der schwarze Leutnant Whiters war in einer Versorgungseinheit farbiger Soldaten in München stationiert. Er setzte sich über die Vorschriften hinweg, die die Unterbringung von Kriegsgefangenen oder KZ-Insassen verbot, kleidete sie in amerikanische Uniformen und beherbergte die beiden 16- und 18-Jährigen ein Jahr lang in seinem Standort. „Die Soldaten gaben ihnen die Spitznahmen „Peewee“ (Prisoner of War) und „Salomon“, steht in dem Artikel. Salomon sei 1993 gestorben, aber Peewee lebe noch.

Ausführlich beschreibt John II die Tätigkeiten seines Vaters im damaligen Staffelstein. Der damalige 2. Leutnant war verantwortlich für den Soldatenaustausch, der nach einem Punktesystem funktionierte. Wer 81 Punkte auf seinem Konto hatte, durfte die Heimreise antreten. Die ankommenden Soldaten wies der junge Leutnant in die Quartiere ein. Wegen seiner dunklen Hautfarbe habe es keine Probleme gegeben. Es sei anerkannt worden, dass ein Schwarzer in den Offiziersrang gelangt ist.

Aber auch durch Menschlichkeit habe sich sein Vater bei der Truppe beliebt gemacht. Wenn zum Beispiel einige Soldaten in Bamberg über die Stränge schlugen und die Militärpolizei eingreifen musste, habe er stets vermittelt und die Sünder vor harten Strafen bewahren können. Das habe aber zu Spannungen mit der Militärpolizei geführt. Die schwarzen Soldaten seien in der Bevölkerung beliebt gewesen. „Sie waren sehr kinderlieb und hatten ja auch immer ein Stück Schokolade dabei“, sagte John II.

Bei seinem ersten Besuch in Staffelstein, sei er von der Basilika Vierzehnheiligen stark beeindruckt gewesen. „In Amerika sind die großen Kathedralen dunkel und lassen wenig Sonnenlicht herein. Hier war ich von der Helligkeit und leichten Architektur überrascht“, sagte John II, der bald wieder zurückreisen will. Einen Familiengeburtstag dürfe er nicht versäumen. Dabei nickte Ehefrau Maryruth ernsthaft mit dem Kopf.

Vita John L. Whiters II

Der 68-Jährige wurde in Potomac nahe Washington D.C. geboren, besuchte dort die Schule und studierte später an der berühmten Yale-Universität in New Haven im Bundesstaat Connecticut. Sie ist eine der renommiertesten Universitäten der Welt und die drittälteste Hochschule der Vereinigten Staaten. 1984 trat er in das diplomatische Korps ein. Seine Botschaftstätigkeiten führten ihn unter anderem in die Sowjetunion, Nigeria, Lettland, Slowenien. Die letzte Station war Albanien, wo er von Präsident George W. Bush zum Botschafter ernannt wurde.