UETZING

Gebete schärfen Blick fürs Wesentliche

Ein langer Pilgerzug zog am Montagnachmittag von Serkendorf über Gößmitz, Weisbrem nach Uetzing. FOTOS: Gerd Klemenz

94 Teilnehmer der Pfarrei St. Johannes der Täufer und der umliegenden Orte waren um den Dreifaltigkeitssonntag unterwegs, um auf den 120 Kilometern Hin- und Rückweg zur Wallfahrtsbasilika Gößweinstein Gott zu loben und zu preisen. Vier Tage dauerte die Pilgertour in die Fränkische Schweiz.

Am Freitag waren die Wallfahrer mit Glockengeläut in Uetzing gestartet. Am Samstag zogen die Gläubigen aus dem Döbertengrund in der Basilika ein.

„Es sind die Freude und

die Überwältigung, es wieder geschafft zu haben, gepaart mit leichter Erschöpfung,

die dem einen oder anderen ja auch ein paar Tränchen

übers Gesicht kullern ließen.“

Wolfgang Herold, Wallfahrtsführer

Die letzte große Hürde sei der Berg von der Behringermühle hoch nach Gößweinstein. „Im Gänsemarsch liefen wir den steilen Berg (über 20 Prozent Steigung) hoch, der gar nicht enden will. Oben angelangt, stellten wir uns ordentlich in Reih und Glied auf, denn nun kam für alle Pilger sicherlich der bewegendster Teil unserer Wallfahrt. Hier wurde man von vielen Gläubigen erwartet, die mit dem Auto nachgekommen waren. Es sind die Freude und die Überwältigung, es wieder geschafft zu haben, gepaart mit leichter Erschöpfung, die dem einen oder anderen ja auch ein paar Tränchen übers Gesicht kullern ließen“, erzählt Wolfgang Herold, der seit 2000 das Amt des Wallfahrtsführer inne hat, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Das Wetter sei ganz hervorragend gewesen. „Wir hätten es uns gar nicht besser wünschen können“, ergänzt Herold. „Und wer sich doch einige Blessuren zugezogen hatte, der konnte seine Beschwerden in Gößweinstein bei einer ehrenamtlich tätigen Fußpflegerin direkt vor der Basilika lindern lassen.

Alltagssorgen fallen ab

Betend und singend waren die Pilger durch Wald und Flur gezogen. Der Weg führte sie auf Feldwegen vorbei an üppigen Wiesen, Ackerfeldern und durch Wälder. „Spätestens jetzt lassen sich so einiges an Alltagssorgen abfallen und genießen unsere wunderschöne Landschaft“, so der Wallfahrtsführer. Etliche neue Gebetstexte wurden in diesem Jahr gebetet. Die Palette der Gebete ist sehr breit gefächert. „Sie stimmen nachdenklich, machen Mut, ja lassen uns wieder auf dem Boden kommen, und schärfen den Blick für das Wichtige“, betont Herold. „Im alltäglichen Leben vergessen wir leider all zu oft, worauf es tatsächlich ankommt.“

Um 15 Uhr trafen sich die Uetzinger Wallfahrer dann an den sieben Altären, die sich um die Basilika befinden. Und im Anschluss wurde der Kreuzweg gebetet. Bereits am Sonntag um 7 Uhr fand das Wallfahrtsamt in der Basilika statt, bevor man um 9.45 Uhr wieder „auswallte“.

Am Montagmorgen in aller Frühe ging es über Stadelhofen zurück in die Heimatpfarrei. In Stadelhofen zog Wallfahrtsführer Herold Resümee. Sein besonderer Dank galt den Wallfahrtsmusikern, die einen äußerst schweißtreibenden Job hatten, den Bild- und Fahnenträgern, den Lautsprecherträgern, den Verkehrsreglern, Rudi Tischer und Ludwig Ultsch, die die Begleitfahrzeuge zur Verfügung gestellt hatten.

18-Kilogramm-Zusatzgewicht

18 Kilogramm zusätzliches Gewicht hatte Thomas Wagner aus Kaider zu bewältigen. Das Bild von 1917 ist vollkommen aus Holz gearbeitet und besitzt eine sehr aufwändig gearbeitet barockisierende und schwungvolle Rahmung, die oben von einem Reichsapfel gekrönt wird. Es gilt als eines der schönsten und ist bestimmt eines schwersten – das Wallfahrtsbild aus Uetzing.

Dieses Bild in neubarocker Form wird dabei von einer Person während der Wallfahrt getragen. „Die Bildträger nach Gößweinstein sind über Jahre hinaus ausgebucht“, erwähnte der Wallfahrtsführer.

Am „Schlockenstein“ bot die Familie Reinhardt aus Uetzing den Pilgern eine Stärkung an, was die trockenen Kehlen auch zu schätzen wussten. Hier erzählte Anton Reinhardt von einer alten Tradition: „Als der ehemalige Ortssprecher Hans Kerner den beschwerlichen Bittgang nicht mehr mitgehen konnte, hatte er die Idee, den Wallfahrern am Schlockenstein eine Kanne mit frischem Bier zu bringen. Aus der Kanne Bier wurden inzwischen einige erfrischende Getränke für die durstigen Pilger“.

Herzlicher Empfang

Mit aller Herzlichkeit empfangen von ihren Angehörigen, wurden die Wallfahrer in Serkendorf. Dabei waren eine Umarmung und das Überreichen von Blumen Gesten der Freude und des Wiedersehens. An der dortigen Marienkapelle wurde ein kurzes Gebet gesprochen.

Am Ortseingang von Uetzing wartete bereits Pfarrer i.R. Hans Hübner mit den Ministranten, der die Pilgergruppe in einem feierlichen Zug durch die Straßen bei Glockengeläut in die Pfarrkirche führte und dann den eucharistischen Segen sprach. Mit „Segne, du Maria“ fand die Wallfahrt ihren Abschluss.

Der Dankgottesdienst ist am Samstag, 8. Juli, um 19 Uhr in der Uetzinger Pfarrkirche.

Viele Blumensträuße gab es von den Angehörigen.
Eva-Maria und Jakob schmückten zusammen den Bildstock oberhalb von Serkendorf für die Gößweinstein-Wallfahrer.