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Wissenswertes am Wegesrand

Jupp Schröder (mit Hut) weckte Interesse dafür, mancher Pflanze Zeit zu widmen und sie genauer zu betrachten.

Der Weinhügel ist an sich keine Herausforderung für Wanderer. Genau darum ging es am Samstag bei der durch die Umweltstation in Weismain angebotenen „Wanderung für Familien“ auch nicht. Aber er hat eine Besonderheit: Nirgendwo im Landkreis gibt es auf solch kleinem Gebiet solche Pflanzenfülle. Eine Wanderung von Ereignis zu Ereignis.

30 Minuten nach Abmarsch war der Tross gerade mal 500 Meter weit gekommen. Fünf Minuten später war man schon 600 Meter vom Aufbruchsort Rabenmühle entfernt. Wahrlich kein Wandertempo, welches der Tross aus rund 50 Personen ging. Aber wenn jemand wie der einstige Kreisfachberater Josef Schröder durch die Natur führt, dann wird der Wegesrand zur Stoffsammlung. In solchen Fällen trifft die asiatische Weisheit zu, wonach der Weg das Ziel sei.

Kreuzenzian, Eisenhut, Seidelbast

So ungefähr sah auch das Konzept der Wanderung aus: Was auffiel und nachgefragt wurde, wurde besprochen. Da wäre beispielsweise der Kreuzenzian. Es gibt ihn nur an drei Standorten im Landkreis. Einer davon befindet sich entlang der Exkursionsroute, die bis hinter den zirka 430 Meter hohen Weinhügel führen und eine Kehrtwende nach End machen sollte. Da wäre auch der Eisenhut, der giftig ist und von dem Schröder zu erzählen wusste, dass man mittels dieser Pflanze Wölfe zu vergiften pflegte.

Gerne hörte ihm der Tross zu, der sich mitunter allerdings etwas in die Länge zog, was die Verbindung manchmal abreißen ließ. Doch immer wieder erklomm Schröder eine kleine Anhöhe und reckte von dort aus Botanisches in die Luft. So wie den Seidelbast, jene Pflanze, die rote Beeren hervorbringt, von denen „zwölf einen Menschen umbringen können“. Verblüffend für die Zuhörer war Schröders Aussage, wonach die Wissenschaft in Bezug auf Giftpflanzen „noch zurück“ sei. Zwischen Einblicken in Toxikologie, den Stickstoffgehalt von Arzneipflanzen wie Holunder, Erklärungen zur Sogwirkung in Pflanzen mit Kapillarstrukturen oder der Bestimmung von Schmarotzerpflanzen, äußerte Schröder aber auch mancherlei Bedenken zu Vorgängen in der Natur. Besonders zu solchen, an denen der Mensch am Weinhügel Anteil hat. Der Schafbeweidung gegenüber zeigte er sich misslaunig. „Ich habe gesehen, wie die (Schafe) hier Orchideen gefressen haben.“

All das Gehörte könnte auch in Christiane Büchner Gedanken ausgelöst haben, reiste die 20-Jährige für diese Wanderung doch extra aus Bayreuth an. Manchmal begab sie sich etwas abseits, etwa dann, wenn sie Insekten in ein Glas einsammelte.

Die junge Frau studiert Biologie und hielt sich erstmalig am Gebiet rund um den Weinhügel auf. „Wir machen mit unserem Studiengang auch Exkursionen.“ Sie würde gerne in die Forschung gehen und weiß, um das Vertrackte bei Arten. „Allein das alles zu bestimmen, ist sehr schwer“, so der Twen, den Kenntnisstand Schröders anerkennend. Auch sie genoss den Anschauungsunterricht in Sachen Natur, der – typisch Jupp Schröder – noch hie und dort durch Gartentipps angereichert wurde. Zweieinhalb Stunden nach Aufbruch war das Auseinandergehen gekommen. Nun auch in dem Wissen, dass der Weinhügel vor allem am Wegesrand viel zu erzählen hat.