MODSCHIEDEL

Die tragenden Balken sind morsch

Die eingerüstete Kirche St. Johannes Batista in Modschiedel. FOTOS: Roland Dietz

Von einem riesigen Baugerüst ist im Moment die Modschiedler Pfarrkirche St. Johannes Baptista umhüllt. Der Grund dafür sind unaufschiebbare Renovierungsarbeiten an Turm und Dach.

Der Ort Modschiedel liegt auf der Hochebene des Fränkischen Jura. Die karge und raue Landschaft wurde im 8. Jahrhundert von Slawen besiedelt. Daher hat auch der Ortsname Modschiedel slawische Wurzeln. Erstmals erwähnt wurde in Modschiedel ein Gotteshaus im Jahr 1382 in Form einer Kapelle.

Slawen-Kirche

Heute steht am nördlichen Dorfrand die trutzig wirkende Pfarrkirche St. Johannes Baptista, die als Slawen-Kirche gilt. Die ursprüngliche Chorturmkirche gehört zur typischen Sakralarchitektur Oberfrankens und hat den Charakter einer Wehrkirche. Das Langhaus ist im Kern spätmittelalterlich, Chor und Turm lassen sich anhand von Inschriften datieren. Im Wesentlichen entstand der Bau in den Jahren 1494 bis 1508. Kaiser Karl der Große förderte die Christianisierung der Slawen und Ostfranken durch den Bau von 14 Urkirchen. Aufgrund der massiven Bauweise mit einer Umwehrung, Schießscharten und der Mauerstärken gilt die Kirche als eine der Wehrkirchen.

Die Pfarrei unterstand lange dem nahen Kloster „Langheim“, das sich bis zur Säkularisation um die Gläubigen sorgte. 1617 ließ man den alten Turm abtragen und errichtete einen neuen in der heutigen Gestalt mit seinem spitzen Helmaufsatz. Ab dem Jahr 1694 wurden entscheidende Änderungen für Gestaltung des Gotteshauses in seiner heutigen Form vorgenommen. So wurde 1694 die Nordwand um etwa 1,6 Meter hinaus versetzt, was eine Neufundamentierung notwendig machte. Auch das Langhaus wurde baulich verändert.

Wechselvolle Geschichte

In ihrer wechselvollen Geschichte war die Pfarrei Modschiedel auch schon fest in protestantischer Hand. In dieser Zeit wirkten hier mehrere evangelische Pfarrer. Die Rückführung der Pfarrei zur katholischen Religion war äußerst mühsam und dauerte sehr lange. Erst 1710 starb „die letzte Person, die dem Luthertum anhing“.

1725/26 erfolgten eine Verbreiterung des Kirchenschiffs und der Einbau der wuchtigen, zweigeschossigen Empore aus Eichenholz, während die Anbringung der reich bemalten Holzdecke noch im protestantischen Zeitgeist geschah. Im Jahr 1936 wurde das Gotteshaus ein weiteres Mal erweitert. In den vergangenen Jahren wurden die elektrischen Installationen, die Beleuchtung sowie die Heizung erneuert.

Und nun muss auch außen einiges getan werden, um das Gotteshaus in seiner jetzigen Form weiter zu erhalten. Vordringlich war eine Sanierung der Dachkonstruktion des Turmhelms, wie Architekt Georg Schilling sowie Anita Rauch und Bernhard Kießling von der Kirchenverwaltung festgestellt hatten. Der 27 Meter hohe Turm besteht aus 15 Meter hohem Massivbau und aus einem zwölf Meter aufsitzenden Holzkonstrukt. Dort ist die Balkenanlage besonders bei den Auflagepunkt-Balken so stark angegriffen, dass die Tragfähigkeit sehr gemindert ist.

Massive Holzwurmschäden

An der Ostfassade befinden sich Putzschäden, die schon länger erkennbar sind. Auch gibt es defekte Stellen in der Schiefereindeckung, die zum Eindringen von Regenwasser führt. Bei Ausbesserungsmaßnahmen 1989 wurde zwar teilweise neu eingebrettert und geschiefert. Aber schon hier hätten die Balken ausgetauscht oder erneuert werden müssen, weiß Architekt Schilling und zeigt die morschen Balken. Diese weisen Würfelbruch und Holzwurmschäden in massiver Form auf.

Fast dreißig Jahre später ist es nun so, dass die historische Holztragewerkkonstruktion statisch wieder komplett neu ertüchtigt werden muss. Die Glockenstuhlebene wird neu gedeckelt. So wird der Turm stabilisiert, und auch die Dichtung des Dachs ist wieder gegeben. Im Innenbereich des Turms sind die Zwischendecken und die Treppenaufgänge zimmermannsmäßig nachzuarbeiten.

Noch im Kostenrahmen

Alles in allem machten diese und weitere kleine Schäden eine Renovierung unumgänglich. Die Kosten werden sich auf rund 430 000 Euro belaufen. Anita Rauch freute sich, dass die Renovierungskosten bisher im geplanten Umfang geblieben sind. Dies sei nicht selbstverständlich, erklärte Bernhard Kießling, da bei Renovierungsarbeiten bei alten Gebäuden oft nicht vorhergesehen werden könne, was noch an Arbeiten nötig ist. Die Ende April begonnenen Sanierungstätigkeiten sollen im Herbst abgeschlossen sein.

Architekt Georg Schilling zeigt die Schäden, die im tragenden Gebälk vorhanden waren.